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<title>Prosodie</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Prosodie</span></h1>
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<p><b>Prosodie</b> ist die Gesamtheit derjenigen lautlichen Eigenschaften der Sprache (und des Sprechens), die nicht an den Laut bzw. ans <a href="Phonem" title="Phonem">Phonem</a> als minimales Segment, sondern an umfassendere lautliche Einheiten gebunden sind. Dazu zählen folgende Eigenschaften:
</p>
<ol><li><a href="Akzent_(Linguistik)" title="Akzent (Linguistik)">Wort-</a> und <a href="Satzakzent" title="Satzakzent">Satzakzent</a></li>
<li>der auf Wortsilben ruhende <a href="Lexikalischer_Ton" title="Lexikalischer Ton">lexikalische Ton</a> in <a href="Tonsprache" title="Tonsprache">Tonsprachen</a></li>
<li><a href="Intonation_(Phonetik)" class="mw-redirect" title="Intonation (Phonetik)">Intonation</a> (von Einheiten von mehr als Silbenumfang) und <a href="Satzmelodie" class="mw-redirect" title="Satzmelodie">Satzmelodie</a></li>
<li><a href="Quantit%C3%A4t" title="Quantität">Quantität</a> aller lautlichen Einheiten, vor allem derjenigen von mehr als Segmentumfang</li>
<li>Tempo, <a href="Sprechrhythmus" title="Sprechrhythmus">Rhythmus</a> und Pausen beim Sprechen.</li></ol>
<p>Teile werden durch die umgangssprachlichen Ausdrücke Betonung und Tonfall bezeichnet, die allerdings keine Termini sind.
</p><p>Wie viele Termini dieser Art bezeichnet <i>Prosodie</i> sowohl einen Ausschnitt des Objektbereichs – also die genannten sprachlichen Eigenschaften – als auch eine Subdisziplin einer wissenschaftlichen Disziplin – in diesem Falle der <a href="Phonologie" title="Phonologie">Phonologie</a> und der <a href="Phonetik" title="Phonetik">Phonetik</a>. Entsprechend ist Prosodie Gegenstand sowohl der <a href="Linguistik" class="mw-redirect" title="Linguistik">Linguistik</a> als auch der Phonetik. Darüber hinaus gibt es eine <a href="Prosodie_(Musik)" title="Prosodie (Musik)">musikalische Prosodie</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft_des_Ausdrucks">Herkunft des Ausdrucks</h2></div>

<p>Der Ausdruck <i>Prosodie</i> (auch <i>Prosodik</i>) ist ein Fremdwort von lateinisch <i>prosodia</i> aus griechisch <i>prosōdía</i> (προσῳδία). Die enthaltenen Wurzeln sind <i>pros</i> (πρός) ‚hinzu‘ und <i>ōd-</i> (ᾠδ-) ‚singen‘; die Grundbedeutung ist also etwa ‚Hinzugesang‘. Der Begriff bezog sich vor allem auf das phonetisch richtige Vorlesen von Dichtung und umfasste auch den oben mitaufgeführten Ton. Auf dem griechischen Ausdruck basiert die lateinische <a href="Lehn%C3%BCbersetzung" title="Lehnübersetzung">Lehnübersetzung</a> <i>accentus</i>. Da es jedoch im Lateinischen keinen Ton in diesem Sinne gibt, wurde der Begriff <i>accentus</i> auch eingeengt auf den Teil der Prosodie, den auch der Terminus „Akzent“ bezeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Suprasegmentalia">Suprasegmentalia</h2></div>
<p>Da die Eigenschaften, die unter Prosodie fallen, eben das gemeinsam haben, dass sie auf einer lautlichen Ebene „oberhalb“ des Segments angesiedelt sind, werden sie auch <a href="Suprasegmentale_Merkmale" class="mw-redirect" title="Suprasegmentale Merkmale">suprasegmentale Merkmale</a> (Suprasegmentalia) genannt. Entsprechend unterscheidet man die segmentale von der suprasegmentalen Ebene. z.&nbsp;B. sind die deutschen Wörter <i>umfahren</i> ‚[etwas] durch Dagegenfahren zu Fall bringen‘ und <i>umfahren</i> ‚um [etwas] herumfahren‘ auf der segmentalen Ebene gleich zusammengesetzt (und auch <a href="Homograph" title="Homograph">homograph</a>), auf der suprasegmentalen jedoch verschieden (und daher nicht <a href="Homophon" title="Homophon">homophon</a>); denn das erstere hat den Wortakzent auf der ersten, das letztere dagegen auf der zweiten Silbe.
</p><p>Die Suprasegmentalia haben im Einzelnen folgende akustische Basis:
</p>
<ol><li>Akzent: Schallintensität, also in erster Linie relative Lautstärke, in zweiter relative Tonhöhe</li>
<li>Ton: relative Tonhöhe (Grundfrequenz) und deren Verlauf innerhalb der Silbe</li>
<li>Intonation und Satzmelodie: Verlauf der Tonhöhe über syntaktischen Einheiten</li>
<li>Quantität: relative zeitliche Dauer sprachlicher Einheiten</li>
<li>Tempo, Rhythmus und Pausen: Zuweisung von sprachlichen Einheiten und deren Akzent zu aufeinander folgenden Zeitspannen.</li></ol>
<p>Die Termini werden im folgenden Abschnitt erläutert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Prosodische,_psychoakustische,_akustische_und_schriftsprachliche_Merkmale"><span id="Prosodische.2C_psychoakustische.2C_akustische_und_schriftsprachliche_Merkmale"></span>Prosodische, psychoakustische, akustische und schriftsprachliche Merkmale</h2></div>
<p>Die prosodischen Merkmale (bzw. Teilgebiete) Intonation, Sprechrhythmus und Akzent werden generell mit psychoakustischen Merkmalen und akustischen, also physikalisch messbaren Merkmalen beschrieben. Zudem findet sich eine Korrelation der prosodischen Merkmale mit Hervorhebungsmöglichkeiten in der <a href="Geschriebene_Sprache" title="Geschriebene Sprache">Schriftsprache</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Prosodie_und_Akustik">Prosodie und Akustik</h3></div>
<p>In der <a href="Akustik" title="Akustik">Akustik</a> werden die Phänomene und Eigenschaften von Schallwellen untersucht. Da Sprache auf Schallübertragung basiert und Prosodie ein Teil der Sprache ist, müssen auch prosodische Merkmale mit akustischen Merkmalen korreliert sein. Untersuchungsgegenstand ist also das Sprachsignal. Akustisch messbare Eigenschaften können in der automatischen <a href="Prosodieerkennung" title="Prosodieerkennung">Prosodieerkennung</a>, Sprechererkennung und Sprecherverifikation genutzt werden – die gemessenen Eigenschaften werden dann zu <a href="Merkmalsvektor" title="Merkmalsvektor">Merkmalen</a> für eine <a href="Mustererkennung" title="Mustererkennung">Mustererkennung</a> weiterverarbeitet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Grundfrequenz">Grundfrequenz</h4></div>
<p>Die Intonation einer Sprache lässt sich akustisch gesehen mit der <a href="Grundfrequenz" title="Grundfrequenz">Grundfrequenz</a> (Einheit ist <a href="Hertz_(Einheit)" title="Hertz (Einheit)">Hertz</a>) einer Stimme beschreiben (bzw. dem Verlauf der Grundfrequenz, sogenannten Grundfrequenzkonturen).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Dauer">Dauer</h4></div>
<p>Prosodische Dauermerkmale wie Rhythmus, Sprechgeschwindigkeit, Pausen, Gedehntheit etc. lassen sich durch Messung der zeitlichen Länge dieser Signalabschnitte oder durch Bildung von <a href="Mittelwert" title="Mittelwert">Mittelwerten</a> (mittlere Sprechgeschwindigkeit) messen. Oft werden zum Beispiel erst inkrementell Phonemlängen bestimmt und daraus dann Silbenlängen. Da sich diese Längen von Sprecher zu Sprecher unterscheiden können, müssen diese Längen normiert werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Energie">Energie</h4></div>
<p>Energiemerkmale beschreiben die <a href="Schallintensit%C3%A4t" title="Schallintensität">Schallintensität</a> (in&nbsp;<a href="Dezibel" class="mw-redirect" title="Dezibel">dB</a>) eines Sprachsignals. In der Mustererkennung wird oft die Momentanenergie auf Frameebene berechnet, also die Energie in einem kleinen Ausschnitt des Sprachsignals. Mittels dieser Energiemerkmale kann zum Beispiel erkannt werden, ob ein Sprachsignalabschnitt eine Stimme oder nur Stille enthält (Unterscheidung zwischen stimmhaft und stimmlos). In der <a href="IP-Telefonie" title="IP-Telefonie">IP-Telefonie</a> werden so Abschnitte, welche keine Stimme enthalten, gar nicht erst übertragen, um Bandbreite zu sparen (allerdings bezeichnet man in der Technik die relevante Messgröße als <a href="Amplitude" title="Amplitude">Amplitude</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Prosodie_und_Psychoakustik">Prosodie und Psychoakustik</h3></div>
<p>In der <a href="Psychoakustik" title="Psychoakustik">Psychoakustik</a> werden menschliche Wahrnehmungen in Vergleichsexperimenten mit akustischen Einheiten in Zusammenhang gebracht.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Tonhöhe"><span id="Tonh.C3.B6he"></span>Tonhöhe</h4></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Tonh%C3%B6he" title="Tonhöhe">Tonhöhe</a></i></div>
<p>Die Tonhöhe oder die Tonlage beschreiben die wahrgenommene Höhe eines Tons verglichen mit einem 1-kHz-Signal einer bestimmten Schallintensität. Sie wird in <a href="H%C3%B6rversuch" title="Hörversuch">Hörversuchen</a> festgestellt. Die empfundene Tonhöhe steht in einem nichtlinearen Verhältnis zur Frequenz eines Tons. Bis 500&nbsp;Hz ist auf der <a href="Eberhard_Zwicker" title="Eberhard Zwicker">Zwickerskala</a> noch ein lineares Verhältnis vorhanden, dann führt jedoch eine Verdopplung der Frequenz eines Tons nicht mehr zu einer Verdopplung der wahrgenommenen Tonhöhe. Die Einheit der Tonhöhe ist <a href="Mel_(Einheit)" title="Mel (Einheit)">mel</a>. Die Veränderungen in der Tonhöhe korrelieren in der Prosodie mit der Intonation.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Lautheit">Lautheit</h4></div>
<p>Die Lautheit ist eine Empfindungsgröße, die ebenfalls in Hörversuchen festgestellt wird, weil sie nicht nur vom Schalldruck, sondern auch von der Frequenz und weiteren Einflussfaktoren abhängt. Die Einheit der Lautheit ist <a href="Sone" title="Sone">sone</a>. Ein sone ist definiert als die empfundene Lautstärke eines 1000-Hz-Sinustons bei 40&nbsp;dB SPL (<a href="Schalldruckpegel" title="Schalldruckpegel">Schalldruckpegel</a>, <i>Sound Pressure Level</i>).
</p><p>Unterschiede in der wahrgenommenen Lautheit werden in der Prosodie oft zur Akzentuierung eingesetzt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Prosodie_und_Schriftsprache">Prosodie und Schriftsprache</h3></div>
<p>In der Schriftsprache korrelieren <a href="Schriftauszeichnung" title="Schriftauszeichnung">Schriftauszeichnung</a> (kursiv, fett, Schriftgröße, Schriftart) mit dem prosodischen Merkmal <a href="Akzent_(Aussprache)" title="Akzent (Aussprache)">Akzent</a> und der <a href="Intonation_(Phonetik)" class="mw-redirect" title="Intonation (Phonetik)">Intonation</a>, <a href="Interpunktion" title="Interpunktion">Interpunktion</a> mit dem <a href="Sprechrhythmus" title="Sprechrhythmus">Sprechrhythmus</a> sowie mit Pausen. So wird nach einem Punkt oder einem Komma in der Regel auch eine sprachliche Pause eingelegt. Auch Gedankenstriche, die einen Satzteil einschieben, werden beim Lesen durch Pausen ersetzt und mit veränderter Intonation gelesen. Fragezeichen oder Rufzeichen markieren Frage- bzw. Ausrufesätze und werden ebenfalls durch spezielle Intonation am Ende des Satzes markiert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Prosodische_Struktur">Prosodische Struktur</h2></div>
<p>In der Prosodischen Phonologie wird meist zwischen verschiedenen Kategorien und Ebenen einer prosodischen Struktur unterschieden.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dabei werden mindestens die folgenden hierarchisch angeordneten Kategorien aufgeführt:
</p>
<table class="wikitable" style="text-align:center;">
<caption><b>Prosodische Hierarchie</b>
</caption>
<tbody><tr>
<td>Intonationsphrase
</td></tr>
<tr>
<td>⎮
</td></tr>
<tr>
<td>(Phonologische) Phrase
</td></tr>
<tr>
<td>⎮
</td></tr>
<tr>
<td>(Phonologisches) Wort
</td></tr>
<tr>
<td>⎮
</td></tr>
<tr>
<td>Fuß
</td></tr>
<tr>
<td>⎮
</td></tr>
<tr>
<td>Silbe
</td></tr></tbody></table>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Funktionen_der_Prosodie">Funktionen der Prosodie</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Sprachliche_und_parasprachliche_Funktionen">Sprachliche und parasprachliche Funktionen</h3></div>
<p>Man unterscheidet zwischen sprachlichen (zum einzelnen Sprachsystem gehörigen) und parasprachlichen (sonstigen kommunikativen) Funktionen der Prosodie. Zu den rein <i>sprachlichen Funktionen</i> zählen die folgenden:
</p>
<ul><li>Wortakzent und Ton unterscheiden Wörter in ihrer Bedeutung.</li>
<li>Die Intonation kann <a href="Satzart" title="Satzart">Satztypen</a> voneinander unterscheiden, z.&nbsp;B. den <a href="Deklarativsatz" title="Deklarativsatz">Deklarativsatz</a> und den <a href="Fragesatz" title="Fragesatz">Interrogativsatz</a> im Deutschen.</li>
<li>Pausen, Rhythmus und Intonation unterteilen die Rede in sinnvolle Abschnitte, darunter auch in syntaktische Einheiten.</li>
<li>Satzakzent, Intonation und Pausen kodieren die <a href="Informationsstruktur" title="Informationsstruktur">Informationsstruktur</a> einer Äußerung, insbesondere <a href="Topik_(Linguistik)" title="Topik (Linguistik)">Topik</a> und <a href="Fokus_(Linguistik)" title="Fokus (Linguistik)">Fokus</a>. Der Satzakzent hebt einen Ausdruck gegenüber im Satz benachbarten hervor und dient der <a href="Emphase" title="Emphase">Emphase</a>.</li></ul>
<p>Diese Funktionen sind auf allen sprachlichen Ebenen zwischen Wort und Text angesiedelt. Daher lässt sich die Prosodie nicht einer bestimmten grammatischen Ebene zuordnen.
</p><p>Die <i>parasprachlichen Funktionen</i> der Prosodie lassen sich wie folgt systematisieren:
</p>
<ul><li>Die Sprechmelodie bzw. der Tonfall verleiht Emotionen Ausdruck und kodiert auch <a href="Ironie" title="Ironie">Ironie</a>.</li>
<li>Sprachen und <a href="Variet%C3%A4t_(Linguistik)" title="Varietät (Linguistik)">Varietäten</a> (Dialekte, Soziolekte, Register) einer Sprache unterscheiden sich in prosodischer Hinsicht. Suprasegmentalia charakterisieren die Rede von Angehörigen einer Sprachgemeinschaft ähnlich wie ihr Lautsystem, ihre Wortwahl oder andere sprachliche Eigenschaften. Daher kann man anhand ihrer die Sprechweise einer Person einer solchen Varietät zuordnen.</li>
<li>Da prosodische Merkmale mit der Stimme und dem Artikulationsapparat hervorgebracht werden und da diese physiologische Eigenschaften einer Person sind, können sie diese (nach Geschlecht, Alter usw.) charakterisieren und sogar identifizieren.</li></ul>
<p>Auf prosodischen Merkmalen wie den beiden letztgenannten beruht es z.&nbsp;B., wenn man bei einem Telefonanruf einen Gesprächspartner 'an der Stimme erkennt'. Auch <a href="Imitator" title="Imitator">Imitatoren</a> machen sich diese Merkmale zunutze.
</p><p>In der sprachlichen Prosodie spielen nur relative Unterschiede, also z.&nbsp;B. die relative Tonhöhe am Ende eines Interrogativsatzes, eine Rolle. In der parasprachlichen Prosodie geht es auch um absolute Unterschiede, z.&nbsp;B. die unterschiedliche Grundfrequenz, mit der ein Junge und ein Mann sprechen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Korrelation_prosodischer_Merkmale">Korrelation prosodischer Merkmale</h3></div>
<p>Prosodische Eigenschaften wie Veränderungen in der Intonation, in der Lautstärke und im Rhythmus treten öfter synchron auf anstatt einzeln, sind also korreliert. So wird die Hervorhebung eines Wortes zum Beispiel dadurch erreicht, dass die Intonation (bzw. die <a href="Tonh%C3%B6he" title="Tonhöhe">Tonhöhe</a>) verändert wird, die Sprechgeschwindigkeit gleichzeitig reduziert wird (zum Beispiel indem vor dem Wort eine Sprechpause eingelegt wird) und das Wort mit erhöhter Lautstärke ausgesprochen wird.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Auflösung_von_Ambiguitäten"><span id="Aufl.C3.B6sung_von_Ambiguit.C3.A4ten"></span>Auflösung von Ambiguitäten</h3></div>
<p>Im Sprachsystem sind suprasegmentale Merkmale ebenso <a href="Distinktives_Merkmal" title="Distinktives Merkmal">distinktiv</a> wie segmentale. Ebenso also, wie zwei Ausdrücke – z.&nbsp;B. <i>tut</i> und <i>tot</i> – sich nur in einem segmentalen Merkmal unterscheiden können, können sie sich auch nur in einem suprasegmentalen Merkmal unterscheiden – wie die schon angeführten zwei Verben, die <i>umfahren</i> geschrieben werden. Da die Schrift die Prosodie nur unvollkommen wiedergibt, lassen sich gewisse Ambiguitäten schriftlicher Texte auf verschiedenen sprachlichen Ebenen bei mündlicher Wiedergabe mithilfe der Prosodie auflösen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Syntaktische_Ebene">Syntaktische Ebene</h4></div>
<p>Die Wortfolge
</p>
<ul><li>Erna kommt nicht aber Erwin.</li></ul>
<p>entspricht zwei verschiedenen syntaktischen Konstruktionen, nämlich
</p><p>a) Erna kommt, nicht aber Erwin.
</p><p>b) Erna kommt nicht, aber Erwin.
</p><p>Die beiden Versionen unterscheiden sich u.&nbsp;a. darin, dass #a eine Sprechpause hinter <i>kommt</i>, #b diese Pause jedoch hinter <i>nicht</i> hat. In diesem Falle reflektiert die Interpunktion die Prosodie.
</p><p>Die Wortfolge
</p>
<ul><li>Der Mann sah die Frau mit dem Fernglas.</li></ul>
<p>entspricht zwei verschiedenen syntaktischen Konstruktionen, nämlich
</p><p>a) der Mann sah [ die Frau mit dem Fernglas ] (die mit Fernglas ausgestattete Frau)
</p><p>b) der Mann sah [ die Frau ] [ mit dem Fernglas ] (er blickte durch ein Fernglas)
</p><p>Diese beiden Versionen sind in gewöhnlicher Sprechweise nicht einmal durch die Prosodie verschieden. Man kann aber versuchen, Version #b durch starken Intonationsbruch mit einer Sprechpause hinter <i>Frau</i> zu verdeutlichen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Lexikalische_Ebene">Lexikalische Ebene</h4></div>
<p>Neben solchen Paaren wie den homographen, nicht jedoch homophonen Verben <i>umfahren</i> stehen im Deutschen weitere wie <i>übersetzen</i>, <i>unterstellen</i>, <i>überlaufen</i> usw. (Sie sind übrigens nur in einigen Flexionsformen homograph, nicht jedoch z.&nbsp;B. im Partizip: <i>(hat) übersetzt</i> vs. <i>übergesetzt</i>.) Außerdem gibt es Homographen wie <i>Tenor</i>, was mit Akzent auf der ersten Silbe "Gehalt", mit Akzent auf der zweiten jedoch "hohe männliche Stimmlage" bedeutet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Pragmatische_Ebene">Pragmatische Ebene</h4></div>
<ul><li>Das ist aber kalt hier.</li></ul>
<p>Je nach Aussprache des Satzes kann angedeutet werden, dass es nur eine Aussage über die Temperatur ist (monotone Stimme), eine Aufforderung, ein Fenster zu schließen (negative Klangfarbe, Betonung des Wortes <i>kalt</i>) oder nur die Klage über diesen als negativ empfundenen Zustand, der nicht zu ändern ist. Durch eine starke Betonung auf dem Wort „Das“ kann die Aussage auch ironisch gemeint sein. Somit kann die Funktion eines <a href="Sprechakt" title="Sprechakt">Sprechaktes</a> besser verdeutlicht werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Dialogebene">Dialogebene</h4></div>
<p>Auf Dialogebene lassen sich Satz- oder Phrasengrenzen markieren, sodass Dialoge in sinnvolle Abschnitte unterteilt werden können. So können sprachliche Handlungen strukturiert werden. Als bekannt vorausgesetzte Informationen werden dabei deakzentuiert (gleichbleibende Intonation), wichtige Informationen jedoch akzentuiert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Prosodieebenen">Prosodieebenen</h2></div>
<p>Nach <a href="Hans_G%C3%BCnther_Tillmann" class="mw-redirect" title="Hans Günther Tillmann">Hans Günther Tillmann</a> unterscheidet man zwischen A-, B- und C-Prosodie.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="A-Prosodie">A-Prosodie</h3></div>
<p>Die A-Prosodie kann vom Sprecher willkürlich gesteuert werden. Parameter der A-Prosodie sind unter anderem die Intonation, Pausen und Lautstärkeänderungen. Mit Hilfe der A-Prosodie werden beispielsweise die Satzintention übermittelt und Betonungen gesetzt. Des Weiteren dient sie der Auflösung von syntaktischen und lexikalischen Ambiguitäten. Auch die Gefühle und die körperliche Verfassung des Sprechers können durch die A-Prosodie übermittelt werden.
</p><p>Sprache, aus der man die A-Prosodie entfernt, wird allgemein als mechanisch empfunden („<a href="Computerstimme" title="Computerstimme">Computerstimme</a>“).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="B-Prosodie">B-Prosodie</h3></div>
<p>Die B-Prosodie wird unwillkürlich erzeugt und bezeichnet den der Muttersprache eigenen Silbenrhythmus. Sie regelt die Abfolge von <a href="Stimmhaft" class="mw-redirect" title="Stimmhaft">stimmhaften</a> und <a href="Stimmlos" class="mw-redirect" title="Stimmlos">stimmlosen</a> Abschnitten. Durch die B-Prosodie erkennen wir ein Signal als Sprache.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="C-Prosodie">C-Prosodie</h3></div>
<p>Die C-Prosodie bezeichnet die intrinsische dynamische Struktur der Sprachlaute, das heißt beispielsweise die korrekten Übergänge zwischen benachbarten Lauten, die Abfolge von Pause, Burst und <a href="Aspiration_(Phonetik)" title="Aspiration (Phonetik)">Aspiration</a> bei <a href="Plosiv" title="Plosiv">Plosiven</a> oder das Zusammenspiel von <a href="Stimmhaft" class="mw-redirect" title="Stimmhaft">stimmhafter</a> Anregung und Friktion bei stimmhaften <a href="Frikativ" title="Frikativ">Frikativen</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Mikroprosodie">Mikroprosodie</h2></div>
<p>Die <a href="Mikroprosodie" title="Mikroprosodie">Mikroprosodie</a> betrachtet Schwankungen im Sprachsignal, wie zum Beispiel <a href="Mikroprosodie#Jitter" title="Mikroprosodie">Jitter</a> und <a href="Mikroprosodie#Shimmer" title="Mikroprosodie">Shimmer</a>. Diese Schwankungen sind vor allem in verrauschten Sprachsignalen zu finden. In der Medizin lassen sich allein aus der Messung des <i>jitter</i> und des <i>shimmer</i> Rückschlüsse auf das Vorliegen von Rachenkrankheiten oder Kehlkopfentzündungen schließen (zum Beispiel Kehlkopfkrebs im Frühstadium).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Störungen_der_Prosodie"><span id="St.C3.B6rungen_der_Prosodie"></span>Störungen der Prosodie</h2></div>
<p>Störungen der Prosodie sind unter anderem im <a href="Autismus" title="Autismus">Autismusspektrum</a> geläufig, besonders beim <a href="Asperger-Syndrom" title="Asperger-Syndrom">Asperger-Syndrom</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Prosodie_(Musik)" title="Prosodie (Musik)">Prosodie (Musik)</a></li>
<li><a href="Akuem_(Phonetik)" title="Akuem (Phonetik)">Akuem (Phonetik)</a></li>
<li><a href="Aprosodie" title="Aprosodie">Aprosodie</a></li>
<li><a href="Chronem" title="Chronem">Chronem</a></li>
<li><a href="Computerlinguistik" title="Computerlinguistik">Computerlinguistik</a></li>
<li><a href="Gesprochene_Sprache" title="Gesprochene Sprache">gesprochene Sprache</a></li>
<li><a href="Parasprache" title="Parasprache">Parasprache</a></li>
<li><a href="Intelligent_Speech_Analyser" title="Intelligent Speech Analyser">Intelligent Speech Analyser</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Hans Günther Tillmann, Phil Mansell: <i>Phonetik. Lautsprachliche Zeichen, Sprachsignale und lautsprachlicher Kommunikationsprozeß.</i> Klett-Cotta, Stuttgart 1980, ISBN 3-12-937910-X.</li>
<li><a href="Hadumod_Bu%C3%9Fmann" title="Hadumod Bußmann">Hadumod Bußmann</a> (Hrsg.): <i>Lexikon der Sprachwissenschaft.</i> 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Alfred Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0.</li>
<li>Wolfgang Hess: <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20100628051123/http://www.ikp.uni-bonn.de/lehre/informationen-materialien/informationen-und-materialien-kopho/materialien-1/hess/prosodie/prosodie"><i>Prosodie</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 28. Juni 2010 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>). (Foliendokumentationen einer Vorlesung an der Universität Bonn; archiviert am 28. Juni 2010, abgerufen am 18. August 2019).</li>
<li><a href="Eberhard_Zwicker" title="Eberhard Zwicker">Eberhard Zwicker</a>, H. Fastl: <i>Psychoacoustics. Facts and Models.</i> 2., aktualisierte Auflage. Springer, Berlin u. a. 1999, ISBN 3-540-65063-6 (<i>Springer series in information sciences</i> 22).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Prosodie" class="extiw external" title="wikt:Prosodie">Wiktionary: Prosodie</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://kaltric.de/mat/matlingu/prosodie/">Prosodische Kontrastakzente in typologisch diversen Sprachen.</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.christianlehmann.eu/ling/lg_system/phon/15_prosodie.php">Kapitel über Prosodie des Kurses 'Phonetik und Phonologie' von Christian Lehmann</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Gerrit Kentner: <cite style="font-style:italic">Phonetik und Phonologie des Deutschen</cite>. In: <cite style="font-style:italic">Linguistik im Sprachvergleich: Germanistik–Romanistik–Anglistik</cite>. Springer, Berlin / Heidelberg 2022, ISBN 978-3-662-62805-8, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>3–25</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Prosodie&amp;rft.atitle=Phonetik+und+Phonologie+des+Deutschen&amp;rft.au=Gerrit+Kentner&amp;rft.btitle=Linguistik+im+Sprachvergleich%3A+Germanistik-Romanistik-Anglistik&amp;rft.date=2022&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783662628058&amp;rft.pages=3-25&amp;rft.place=Berlin+%2F+Heidelberg&amp;rft.pub=Springer" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
</ol>
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